Die 20. Malaktion des „Orgien Mysterien Theaters“ von Hermann Nitsch (H.N.) fand zwischen dem 18. und 21. Februar 1987 in der Secession in Wien statt. An diesen Tagen waren die Ausstellungsräumlichkeiten der Secession in ein Malatelier umgewandelt worden, Wände und Böden mit Leinwand ausgelegt, und für den Besuch geöffnet. Den Zuschauern war es möglich, den Aktionsmaler während der Arbeit an den Gemälden zu beobachten, so wie nach deren Fertigstellung, die entstandene Installation zu sehen.
Bei der 20. Malaktion handelt es sich um die bislang größte, d.h. an Zeitdauer und Anzahl, sowie Format der entstandenen Arbeiten umfangreichste Malaktion des Künstlers. Sie kann als exemplarisches Modell des aktionsmalerischen Konzeptes Nitschs angesehen werden. Die Malaktion in der Secession ist integraler Bestandteil der Gesamtkunstwerksidee des Aktionisten, dem „Orgien Mysterien Theater“.
Neben zahlreichen Leinwandarbeiten im Format 200 x 300 cm, wurde ein großformatiges Bodentuch bemalt. Die vom Maler getragenen Malhemden, Kittel einfachen Schnitts, welche auf ihrem weißen Stoff die Spuren des Arbeitsprozesses tragen, wurden auf einzelne Leinwandbilder appliziert. Die Stirnwand des Hauptraumes der Secession war zur Gänze mit Leinwand bespannt und wurde von H.N. und seinen Assistenten während der Malaktion im Sinne eines Freskos bemalt. die aus der Malaktion resultierenden Arbeiten verstehen sich ale Element einer Gesamtinstallation, welche der jeweiligen Räumlichkeit adaptiert, auch an anderen Orten ausgestellt bzw. installiert werden kann.
H.N. zählt zu jenen zeitgenössischen österreichischen Künstlern, die nicht nur weltweit bekannt und anerkannt sind und dessen Arbeiten in den bedeutendsten Sammlungen und Museen der Welt vertreten sind, sondern der, als einer der wesentlichsten Protagonisten des Wiener Aktionismus, auch international gesehen zu den ganz wenigen Künstlern gehört, die mit ihrer Arbeit Entscheidendes zur Entwicklung der Kunst der letzten 40 Jahre bewirkt haben.
Wenn auch die Bilder von H.N. immer das Ergebnis einer Malaktion sind, so werden sie doch selten am Ort der Aktion präsentiert. Die Malaktion in der Secession bildete eine der seltenen Ausnahmen, wo die Ausstellung in demselben Raum stattfand, in dem die Werke Tage vorher in einer öffentlichen Aktion entstanden waren. Viele der Arbeiten wurden nach der Ausstellung einzeln verkauft, so dass nur Foto- und Videoaufnahmen die Aktion dokumentieren. Es ist der Geduld und Beharrlichkeit eines Sammlers zu verdanken, dass sämtliche Werke der 20. Malaktion in einer Sammlung vereint sind, so dass die, an sich einmalige Aktion, auch an anderen Orten in ihrer eindrucksvollen Gesamtheit gezeigt werden kann.
ALLE WERKE NEU RESTAURIERT
Anlässlich der Präsentation der 20. Malaktion in Linz im Rahmen des Europäischen Kulturmonats wurden alle Rahmen jener 50 Arbeiten die auf Keilrahmen aufgezogen sind, von einer Wiener Kunst- und Bildhauereiwerkstatt fachmännisch und unter Anleitung des Künstlers restauriert. Diese Arbeiten waren deshalb notwendig geworden, weil der Künstler bei seinen Aktionen ganz bewusst keine hochwertigen Rahmenkonstruktionen verwendet. Sämtliche Arbeiten der 20. Malaktion befinden sich demnach nicht nur malerisch sondern auch technisch in einem ausgezeichneten Zustand.

